Der Himmel war durch Leuchtbomben taghell.

May 21st, 2012 by Kaethe

Diese Nacht war bei uns der Teufel los. Um halb eins ging ich ins Bett. Auf einmal gibt es ein dolles Geschieße, was alles bisherige in den Schatten gestellt hat. Der Himmel war durch Leuchtbomben taghell. Es sah aus als ob alles brennt. Dazu die Einschläge der Bomben, die die Flieger brachten. Es war schrecklich. Wir snd in windes Eile in den Keller gerannt. So wurde der neue Keller eingeweiht. Nach zwei Stunden wurde es wieder ruhig. Aber war das alles? Manche behaupten, der Russe hätte Luftlandetruppen abgesetzt. Andere wieder es wäre ein Artillerieduell gewesen. Ich weiß nicht was stimmt. Im Rundfunkhaus macht sich die SS startbereit zum Türmen. Sie laden die schönsten Konserven auf Lkws. Man kann direkt neidisch werden. Dazwischen auch Mädchen in SS-Uniform. Gemein sehen sie aus, auch nicht besser als die Flintenweiber der Russen. Es ist heute um uns herum alles ein Durcheinander. Die Innenstadt soll vollkommen tot sein. Kein Geschäft hat mehr auf. Im Augenblick gibt es auch kein Wasser. Auch das Tackern der Maschinengewehre kommt immer näher. Ich glaube jetzt wirklich dass sie schon in Nikolassee sind.

Die Frauen vor die Panzer gebunden

May 21st, 2012 by Kaethe

Die Nacht war ziemlich ruhig, anscheinend hat der Iwan eine Kampfpause eingelegt. Heute früh habe ich mit Mutti Jagd auf drei Brote gemacht. Eine Kostbarkeit heute. Getauscht gegen drei Eimer Wasser. Wir haben sie nur bekommen, weil wir den Bäcker gut kennen. Zwischendurch mussten wir oft in Deckung gehen, die Geschosse der Tiefflieger schwirrten nur so durch die Gegend. Es gehen bei uns wieder Gerüchte herum. Die Russen hätten in Weißensee ganz schrecklich gehaust. Die Frauen vor die Panzer gebunden. Aber ich kann es nicht glauben. Nun wissen wir auch dass die Engländer und Amerikaner nicht mit uns gegen die Russen kämpfen werden. Alles nur Parolen.

Die Flak versucht Flugzeuge abzuschießen aber es wird nicht viel daraus. Ich finde, dass es immer mehr werden.

Hitler hat gesprochen

May 21st, 2012 by Kaethe

Die ganze Nacht starkes Feuer der Russen. Ganz unheimlich ist das, es hört sich so nah an. Wir konnten keinen Schlaf finden.

Neue Parolen gehen umher, die Wünsche der Menschen vermute ich. Es wird behauptet wir hätten mit den Engländern und Amerikanern Waffenstillstand geschlossen und die Beiden wollten mit uns gegen die Russen kämpfen. Der Führer soll im Laufe des Tages sprechen. Ich kann es aber nicht glauben. Sechs Jahre Krieg und dann gemeinsam? Mir geht das gegen den Strich, so edel ist niemand. Aber die Politik geht seltsame Wege, der Kleine Mann wird nicht gefragt, er ist Stimmvieh weiter nichts dann ist es gut. Politik ist ein schmutziges Geschäft und das Volk erfährt nur das Resultat aber nie wie es zustande gekommen ist.

Überall bei uns in der Gegend beziehen die Soldaten mit ihren Panzerfäusten ihre Stellungen, es mutet unheimlich an. Was soll das alles noch. Waren es nicht schon genug Opfer? Unsere Gegend hie gleicht einem Heerlager. Große Kolonnen ziehen mit Pferd und Wagen Richtung Spandau.

Was wird Hitler sagen? Hitler hat gesprochen. 48 Stunden sollen Soldaten und Bevölkerung noch aushalten, dann würden Truppen aus dem Norden den Ring der Russen sprengen. Ich glaube es nicht, warum vertröstet man uns. Warum sagt man nicht die Wahrheit? Die Amerikaner haben ihre Angriffe mit Bomben eingestellt also überlassen sie alles weitere der Russen. Alles nur Parolen, wie immer. Die Zeit vergeht so langsam, man kann nichts tun. Das Artilleriefeuer der Russen reicht schon bis zum Zoo man hört es deutlich. Es heißt, die Russen seien schon am Alex, hätten den Leuten alle Wertsachen fortgenommen und die Frauen vergewaltigt, – Sind das Aussichten. Nach sechs Jahren Krieg mit allem drum und dran? Aber vielleicht ist auch viel dabei Propaganda. Den Wehrmachtsbericht gibt es nicht mehr, man weiß gar nichts mehr. Gott sei Dank wird die schlimme Infektion an meinem Ohr besser und heilt ab. Unser Keller ist nun endgültig fertig und wenn es schlimmer wird müssen wir eben runterziehen. Hauptsache wir kommen durch, wie ist ganz egal, irgendwie geht es immer weiter denke ich.

Nichts funktioniert mehr

May 21st, 2012 by Kaethe

Vier Stunden nach Lebensmitteln angestanden, dabei wurde das Artilleriefeuer immer lebhafter und endlose Kolonnen von deutschen versprengten Soldaten kamen heute über den Kaiserdamm. Furchtbar sehen die Jungs aus, zum Teil bestimmt keine 18 Jahre alt.

Eben kam Ellen rüber und erzählte, dass die Russen ein Ultimatum gestellt hätten wenn bis 5 Uhr nicht übergeben wird, wird bis zum Ende um sie gekämpft. Es wurde natürlich abgelehnt, was gilt heute noch der Mensch? Er ist ein kleines „Nichts“. Tiefflieger fliegen wie Mücken durch die Gegend und kein Mensch hindert sie daran. Wann Alarm ist weiß man nicht mehr. Nichts funktioniert mehr. Gas oder Wasser gibt es nur selten.

10 Uhr wir sitzen im Keller es wurde zu schlimm. Vati wollte nicht runter ist in der Küche und schrubbt da herum weil sie ihm nicht sauber genug ist durch den heruntergefallenen Mörtel. Nun bei jedem Menschen hakt bei Gefahr manchmal was aus. Wir lassen ihn. Die Küche liegt ja nach hinten zum Hof. Wir warten auf was ?

Die Russen sollen nun auch in Glienicke sein. Also steht der Amerikaner Gewehr bei Fuß. Nun ist der Ring um uns endgültig zu und auf den Ami können wir nicht mehr hoffen.

Die Ruhe vor dem Sturm

May 21st, 2012 by Kaethe

Heute wollte ich mit dem Rad versuchen in die Stadt zu fahren. Ich kann so schlecht still sitzen und warten. Aber dann habe ich von Leuten gehört, dass die Fahrräder eingezogen werden, da habe ich es lieber gelassen.

Artilleriefeuer der Russen kommt schon bis zum Alexanderplatz, Stettiner Bahnhof und Senftenbergerplatz haben wir erfahren. Panzerspähwagen sollen schon in Weißensee gewesen sein. Ob diese Nachrichten allerdings alle stimmen weiß man heute nie genau. Der Keller ist bald fertig, mit vereinten Kräften haben wir es bald gschafft.

Göbbels hat heute mal wieder gesprochen und hat Durchhalteparolen von sich gegeben. Ist alles schön gesagt. Die Herren sitzen in einem bombensicheren Keller und haben Lebensmittel jede Menge. Aber es hat keinen Zweck sich darüber aufzuregen.. Es sind leider die traurigen Tatsachen, denn wer hat nach sechs Jahren Krieg noch viel Vorräte zu Haus.

Der Amerikaner scheint nicht so recht voranzukommen oder nicht zu wollen, man weiß es nicht. Heute kamen die ersten russischen Tiefflieger und man musste auf der Straße höllisch aufpassen, wenn man nach Lebensmitteln anstand. Sonst ist es ruhig und wir meinen, es wäre die Ruhe vor dem Sturm.