Der Führer ist tot

Ein Tag, den ich wohl nie in meinem Leben vergessen werde. Morgens kommt Herr Maas zu uns in den Keller und sagt: „Das Funkhaus ist in der Nacht von der SS geräumt worden und kein Mensch ist mehr drin“.
Aber es liegen noch Lebensmittel dort. Wir alle raus und rüber das war eins. Aber siehe da andere hatten es schon eher gewusst als wir und das Beste war weg.
Wir sahen die Leute mit Kohlen, Holz und kistenweise Lebensmittel auf kleinen Wagen wegschleppen. Für uns blieb nur noch etwas Marmelade.
Die Leute hatten wie die Vandalen gehaust. Auch alles kurz und klein geschlagen. Auf einmal schrie ein Mann: „Der Führer ist tot“.
Ich wusste nicht was ich sagen sollte, so platt war ich. Die Regierung wäre fort und die Russen könnten nun kampflos einziehen.
Ich wusste nicht sollte man es glauben? Was kommt nun auf uns zu? Wenn niemand mehr für Recht und Ordnung zuständig ist?
Es schien wirklich wahr zu sein was wir erfahren hatten. Aber so hatte ich mir das Ende nicht vorgestellt.

Sechs Jahre alles umsonst. Die Opfer so vieler. Aber es musste stimmen, dass Hitler tot war und der Krieg zu Ende, denn die SS hatte auch ihre Uniformen da gelassen,
Munition, Waffen, Autos, überhaupt alles was eine Truppe braucht. Es bot alles ein recht trauriges Bild. Diesmal ist nicht die Heimat zusammen gebrochen wie 1918.

Was die durchgemacht hat und ausgehalten hat, konnte sich wohl sehen lassen. Diesmal ist das ganze System  zusammen gebrochen. Weil ein Mensch immer mehr haben wollte an Land und Macht.
Aber was wird das für ein Frieden werden? Ich wage gar nicht daran zu denken. Von wem können  wir Gutes erwarten? Werden wir noch mal frei leben können?

Nun es dauerte nur ein paar Stunden bis die Russen in Funkhaus einzogen. Wir beobachteten alles vom Fenster unserer Wohnung aus.
Als ich das erste Mal Wasser von der Pumpe holen musste, verkleidet mit Kopftuch, tief ins Gesicht gezogen, begegnete ich den ersten Russen.
Sie sahen aus wie Strauchdiebe.

Aber sie belästigten die Menschen nicht, die nach Wasser an standen. Ihre Wagen standen bei uns vor der Tür auf dem Bürgersteig und ein paar Pferde waren am Zaun festgemacht.

Am Nachmittag klopfte es bei uns an der Wohnungstür. Wir wollten erst nicht aufmachen, aber das Klopfen wurde immer doller und wir hatten,
sie treten die Tür ein. Vati öffnete, zwei Russen stürmten durch die Wohnung und schrieen „Uhri, Uhri, Uhri. Ja wir hatten unsere versteckt und wollten sie natürlich nicht rausrücken,
denn wann hätten wir so was wieder kaufen können. Aber das ging alles so schnell. Mir kam ein Geistesblitz.

Ich zeigte auf die Küchenuhr „Nix Uhr“ sagte ich und machte Zeichen, dass wir weiter keine Uhr hätten.
Sie haben sich doch wirklich damit zufrieden gegeben und sind ab gedampft ohne auch nur durch die Wohnung zu gehen.
Von den anderen Mietern habe ich dann erfahren, dass sie dort allerlei mitgenommen haben. Ja wir hatten Glück – weiter nichts.

Aber muß man nicht immer Glück im Leben haben?

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