Die Russen scheinen in Eichkamp zu sein. Die Stalinorgel pfeifen über unser Haus. Heute konnten wir auch kein Wasser mehr aus dem Funkhaus holen, weil der Volkssturm dort in Alarmbereitschaft steht. Im Funkhaus hing der gestrige Wehrmachtsbericht aus. Die Russen wären überall zurückgeschlagen worden. Ich möchte nur wissen, für wie dumm die uns halten. Auch bei uns zu Haus ist alles nicht mehr alles so wie es sein sollte. Ich hole eimerweise das Wasser und Vati schrubbt damit die Wohnung. Wozu? Vielleicht will er sich damit abreagieren. Er muss mit den Nerven ganz schön fertig sein, sonst könnte er sich so nicht verhalten. Ein Egoist reinsten Wassers. Radio geht nicht mehr – alles tot. Mit niemandem kann man sich mal aussprechen. Ab und zu gibt es mal eine Zeitung, d. h. ein Blatt da steht auch nur drin „Berlin hält sich“ und andere Durchhalteparolen. Was aber für Leid manchmal dahinter steht, das weiß nur der, der das hier alles mitgemacht hat, denn wir haben bisher noch Glück gehabt.
Die Straßen sind alle tot, Läden alle geschlossen, die Straßen von Granaten umgepflügt. Im Augenblick ist es verhältnismäßig ruhig. Ich glaube es ist die Ruhe vor dem Sturm. In unserer Wohnung haben wir viele Geschosse von Maschinengewehren gefunden. Das behauptet Vati jedenfalls, dass die davon wären. Auf die drei Armeen aus dem Norden warten wir noch immer aber es ist gewiss demnach auch nur eine Parole von irgend einem Parteimensch gewesen. Vati meint, wir wären jetzt in einem Kessel von einem Kilometer Durchmessser. Er kann schon Recht haben, denn das Maschinengewehrfeuer kommt jetzt doch von allen Seiten. Nur das Artilleriefeuer kommt aus Richtung Stadt immer näher. Es sind nun schon acht Tage, als dass alles hier in Berlin anfing. Eine solche große Stadt einzunehmen ist bestimmt keine Kleinigkeit. Aber es kann gewiss noch zwei bis drei Wochen dauern bis alles ein Ende findet. Unsere Gegend hier ist ein ideales Kampffeld, weil die Bebauung hier nicht so dicht ist.