Wir haben abends um 10 Uhr alle unser Biwak bezogen. Wir waren noch gar nicht lange unten da schlugen um uns herum Bomben und Granaten ein und das Artilleriefeuer ging los. Die Russen rückten bis zum Adolf-Hitler-Platz (heute: Theodor-Heuss-Platz) an der Reichsstraße vor, wurden dann aber noch einmal zurückgeschlagen. Ich kann gar nicht beschreiben, wie es auf der Straße aussieht: überall Trümmer, Pflaster aufgerissen. Unsere Wohnung hat kein Fenster mehr, alles herausgeflogen. Kein Mensch traut sich mehr auf die Straße. Oberst Hassel aus unserem Haus, den die Russen, als er neulich mal unterwegs war in U-Haft gesteckt hatten, ist wieder da. Vielleicht kann er uns helfen wenn die Russen kommen, denn er kann russisch, denn er stammt aus Riga. Er erzählte so einiges aus seiner U-Haft-Zeit. In der Wohnung kann man sich nicht mehr aufhalten. Wir haben schon im Eckzimmer mehrere Geschosse gefunden. Ab und zu gehen wir mal in die Parterrewohnung um uns mal etwas zu waschen. Aber Vati weigert sich noch immer aus der Wohnung zu gehen und in den Keller zu kommen. Also Mut kann ich das nicht nennen sondern Leichtsinn. Aber es muss ja alles vorübergehen. Ich möchte nur alles überleben, ich habe doch noch nichts gehabt vom Leben, irgendwie meine ich, geht es immer weiter, obgleich man es sich nicht vorstellen kann.